Too Much Future

3. Oktober 2007 | Von | Kategorie: 125 ml | 3.846 mal gelesen

Der Tag der Deutschen Einheit erinnert heute an den Beitritt der DDR zur Bundesrepublik am 3. Oktober 1990.

„Jetzt wächst zusammen, was zusammengehört“, war ein Schlagwort, das Willy Brandt nach dem Fall der Mauer geprägt hatte. „Blühende Landschaften“ versprach der damalige Bundeskanzler Helmut Kohl. Die Realität nach 17 Jahren Einheit ist, dass viele Menschen noch nicht in ihr angekommen sind. Schlimmer noch: Fast jeder fünfte Deutsche wünscht sich einer Umfrage zufolge die Mauer zurück.

Aber zum gegebenen Anlass und Musikbezogen:

„Jeder, der kann, darf. Jeder, der nicht kann, auch.“ Diese Einstellung zum Musikmachen war neben der Ablehnung einer bürgerlichen Lebensweise und der rebellischen Haltung gegenüber dem politischen System den Punkszenen auf beiden Seiten des Eisernen Vorhangs gemeinsam. Aber während im kapitalistischen Westen die Bewegung aus einem Gefühl der Perspektivlosigkeit („No Future“) heraus entstand, gründete sie sich in der planwirtschaftlich gelenkten DDR eher auf dem Unbehagen vor einer allzu klar vorgezeichneten Zukunft. Ein wichtiger Aspekt, den bereits der Filmtitel („Too much Future“) andeutet.

„Ostpunk! Too Much Future“, eine Doku über Punk in der DDR, die schon im letzten Jahr ihren regulären Deutschland-Start hatte, berichtet über die Situation der Punk-Bewegung vor der Wiedervereinigung in der ehemaligen DDR. Die Regisseure Carsten Fiebeler und Michael Boehlke haben sich darin auf eine Spurensuche begeben und zeigen anhand historischer Clips, wie sich die Punk-Szene in der DDR entwickelte und wie sie durch staatliche Repressionen zerschlagen wurde. Die repressive Staatsmacht ließ fast nichts unversucht, um die Bewegung der Aufmüpfigen zu „zersetzen“. Zudem kommen zahlreiche Protagonisten von einst zu Wort, die ihre Erinnerungen Revue passieren lassen. Mitunter muss man gar schmunzeln – etwa bei der Anekdote über die von den DDR-Grenzern als unverdächtig eingestufte Omi, die dazu verdonnert wurde, Platten einschlägiger britischer Combos ins Land zu schmuggeln.

Sehr interessant, das zeigt auch dieser Trailer! Außerdem ist seit dem 17. August 2007 in Dresden die Ausstellung „Too Much Future“ zu sehen.

„Too much future“ statt „No Future“ – der sebst gewählte Slogan dieser Jugendbewegung in der DDR spielte auf diesen Umstand an. Letztendlich fasste dieser Slogan wohl das Lebensgefühl einer ganzen Generation zusammen, das Ende der 80er Jahre dann doch mit dafür verantwortlich war, dass die DDR als Staat unterging.

Stellt sich nur die Frage, wo sind die, die nicht angekommen sind?

Ostpunk! Too Much Future


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