Zynismus

20. März 2007 | Von | Kategorie: Rock | 2.435 mal gelesen

Früher als Bassist bei den Libertines aktiv, leidet Johnny Borrell an einer im Pop-Geschäft gar nicht so seltenen Krankheit: Der Sänger und Gitarrist der 2002 gegründeten Londoner Band Razorlight glaubt ernsthaft, er wäre der Größte überhaupt. Was ihn (und seine Band) zu etwas Besonderem macht, ist allerdings, dass Razorlight in manchen Momenten so klingen, als wären sie wirklich die Allergrößten. Mindestens so groß wie, sagen wir mal, Oasis. Oder eben die Libertines.

Der tanzbare Sound und vor allem die Kunsthochschul-Punk-Attitüde sind bei Razorlight nicht stark ausgeprägt; die Gruppe steht vielmehr in der Tradition von vielen klassischen kanonisierten Rockbands: Das Songwriting ist relativ schnörkellos und zeitlos gehalten. Johnny Borrells Stimme klingt dabei höchst souverän, nur die Passagen, in denen er sprechsingt, sind nicht unbedingt jedermanns Sache.

Nannten Razorlight ihr Debüt noch „Up All Night“, ist dies nun ihre Nach-der-Party-Platte namens „Razorlight“. „In The Morning“ heißt der Album-Opener – und liefert einen der wenigen Momente, die an den lauten, schnellen Indierock des Vorgängers erinnern. Merklich lässiger, melodischer, sogar melancholischer gehen die Briten ihre Musik nun an. Aber wer will auch schon die gleiche Platte zwei Mal? In dem Stück „America“ singen Razorlight davon, wie öde das Dasein ist, wenn nichts Rechtes im Fernsehen kommt. Zynismus hat der Popmusik noch nie geschadet – vor allem nicht, wenn man ihn mit Ohrwürmern überwindet. Und für mich das beste Stück: „Before I Fall To Pieces“.

Razorlight – Before I Fall To Pieces



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