Radio Rock Revolution

In ihren besten Momenten hat Rockmusik immer auch mit Aufbruch und Aufbegehren zu tun. Davon handelt auch der Musikfilm Radio Rock Revolution mit seinen dazugehörigen Soundtracks.

Ein tuckernder Musikkahn bringt die Massen zum Tanzen: Mitte der 1960er Jahre ankert ein illegaler Radiosender auf einem Frachter vor der Küste Englands. Von internationalen Gewässern aus können die Rolling Stones, Jimi Hendrix & Co. gesendet werden.

Als in den 60er-Jahren in Großbritannien die Rock- und Popmusik explodierte, stand die BBC in Bezug auf den musikalischen Zeitgeist ziemlich auf dem Kabel. Im Programm der staatlichen Sender fand sich damals kein Platz für die neuen Klänge. Zwei Stunden wöchentlich dieser neuen Töne sollten den Hörern genügen, dachten die Intendanten. 120 Minuten reichten natürlich nicht. Stattdessen hörten junge Leute bald die aktuellen Songs, die Piratensender wie Radio Caroline 24 Stunden täglich in den Äther schickten. Die DJs der Piratensender waren die Freibeuter der Frequenzen und die die Ideale von Sex, Drugs & Rock’n’Roll nicht nur propagierten, sondern auch täglich vorlebten…

Dieser Zeit hat Drehbuchautor und Regisseur Richard Curtis ein Denkmal gesetzt: „Radio Rock Revolution“ ist der deutsche Titel des Films, der im Original „The Boat That Rocked“ heißt. Curtis hat auf einem rostigen Schiff ein illustres Ensemble versammelt. Philip Seymour Hoffman, Bill Nighy, Nick Frost und Rhys Ifans bieten auf hoher See der öffentlich-rechtlichen BBC die Stirn. Sie sind exzentrische DJs mit Testosteron-Überschuss und einer einzigen – lesbischen – Frau an Bord. Ihre Rebellion heißt Musik. Die zahlreichen Songs des Films bilden das Netz für zwei Rahmenhandlungen, auf die aber an dieser Stelle nicht weiter eingegangen werden soll.

Heimlicher Hauptdarsteller ist indes die Musik der späten 60er: Mehr als 50 Songs vereint der hervorragende Soundtrack. So gelingt Curtis ein warmherziger, liebenswerter Film über Freundschaft, Anarchie und die heilende Kraft des Rock’n’Roll – ein turbulentes Musikspektakel, das eine Art Collage von Musikvideos ist: Als Soundtrack laufen Klassiker von Cat Stevens, den Supremes und The Who. Allesamt auch auf dem 2-CD-Soundtrack Radio Rock Revolution (The Boat That Rocked) zu finden.

Der Compilation bietet natürlich keine komplette Übersicht über die Musik der zersplitterten 60er Jahre, so fehlen z.B. die Rolling Stones, aber die Bündelung zahlreicher Klassiker wie z.B. von Procol Harum („A Whiter Shade Of Pale“) über The Moody Blues („A Whiter Shade Of Pale“) und Chris Andrews („Yesterday Man“) bis zu den Easybeats („Friday On My Mind“) bringt teilweise Spaß und kratzt dabei aber wirklich nur an der Oberfläche der 60er. Dazu gibt es mit Duffys Coverversion „Stay With Me Baby“ auch einen brandneuen Song der walisischen Soul-Sensation, die sich zwar nahtlos in den Sound der Dekade einpasst, aber nicht hier hineingehört. Mit „Let’s Dance“ von David Bowie ist gar ein 80er Song dabei – das ist dann aber doch so völlig daneben (gegriffen).

Nachfolgend musikalische Beispiele aus dieser Zeit, die aber (fast alle, bis auf The Kinks mit All Day And All Of The Night) nicht auf der Doppel-CD zu finden sind!

The Who – Happy Jack

Credence Clearwater Revival – Looking Out My Backdoor

Scott McKenzie – San Francisco

Steppenwolf – Born To Be Wild

The Rolling Stones – Satisfaction

The Kinks – All Day And All Of The Night

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