Rocklexikon

Begriff

Der Begriff Rockmusik lässt sich nicht eindeutig definieren. Es handelt sich, ähnlich wie beim Begriff Pop, um eine Sammelbezeichnung für populäre Musik etwa seit der Rock ’n‘ Roll- und der Beat-Ära der 50er und 60er Jahre und umfasst viele unterschiedliche Stilrichtungen. Charakteristisch ist, dass es sich bei der Rockmusik vorwiegend um grossstädtische, meist auch vokale Musik handelt. Relativ eindeutig ist lediglich die Abgrenzung von der so genannten E-Musik.

Middle of the Road-Rock (MOR)

Der Begriff, mit dem man den so genannten musikalischen Mainstream im Rock bezeichnet, impliziert für echte Rockfans bereits eine Kritik. Die Grenzen zum auf Erfolg bei einem breiten Publikum ausgelegten Pop sind fliessend. Zu den Vertretern des MOR-Rocks gehören die namensgebende Gruppe Middle of the Road, aber auch etliche Stücke von Künstlern wie Paul McCartney, Phil Collins und anderen.

Hardrock/Heavy Metal

Die beiden Begriffe lassen sich nicht eindeutig voneinander abgrenzen. Bestimmend ist in beiden Genres die Dominanz eines Sängers, die hohe Lautstärke, der ausgiebige Gebrauch von Verzerrern oder übersteuerten Verstärkern sowie die kompromisslose Beschränkung auf das Bluesschema und einen hervorgehobenen Beat im Vier-Vierteltakt. Im Heavy Metal spielt das meist martialische Auftreten einer Gruppe zusätzlich eine grosse Rolle. Besonders in den 80er Jahren war es in Heavy Metal-Kreisen üblich, dass Männer sich schminkten. Zu den Begründern des Hard Rock gehören Led Zeppelin, Deep Purple und Jimi Hendrix. Hervorragende Vertreter des Heavy Metal sind Black Sabbath, Alice Cooper, Iron Maiden, Metallica, Guns ’n Roses, Mötley Crüe und Judas Priest.

Nina Hagen

Deutsche Rockmusik

Bereits in der frühen Beat-Ära der 60er Jahre gab es auch in Deutschland Rockgruppen, die von den britischen und amerikanischen Vorbildern beeinflusst waren. Die Beatles absolvierten viele ihrer frühen Auftritte in Hamburg. Für die frühe Phase der deutschen Rockmusik Anfang bis Mitte der 60er Jahre sind Gruppen wie The Rattles, The Lords sowie weniger bekannte Bands wie The Rangers und The Maniacs zu nennen. Mit der Gründung der Psychedelic-Band Amon Düül etwa 1968 lieferte Deutschland erstmals einen eigenständigen Beitrag zur Geschichte der Rockmusik. Weitere bedeutende Gruppen dieser Phase waren Guru Guru, Can, Tangerine Dream und Birth Control. In den 70er Jahren dann wurden Gruppen wie Ton Steine Scherben und Kraftwerk teilweise sogar über Deutschland hinaus bekannt. Ende der 70er Jahre bahnte sich ein Stilwandel in der deutschen Rockmusik an. Nun traten so unterschiedliche Künstler wie Nina Hagen, Element of Crime, Einstürzende Neubauten, Fehlfarben, Haindling, BAP, Herbert Grönemeyer, Udo Lindenberg, Marius Müller-Westernhagen, Rio Reiser und Ina Deter auf den Plan. Ihr Stil sollte die deutschen Produktionen lange Zeit beherrschen. In den 80er Jahren traten Bands wie Fury in the Slaughterhouse ins Rampenlicht. Die späten 90er Jahre sind geprägt von Bands wie Die Sterne oder Tocotronic.

Historischer Abriss


Anfänge im Rock ’n‘ Roll der 1950er Jahre

Mit dem Rockabilly begann die Geschichte der Rockmusik. Sam Phillips, der Gründer des für diesen Musikstil massgeblichen Labels Sun Records in Memphis, definierte den neuen Stil als eine aufregende Mischung aus Negro Spirituals, Rhythm &Blues, Hillbilly und Country. Wichtigster Künstler der frühen Jahre der Sun Records wurde Elvis Presley. Mitte der 50er Jahre begann man, den Begriff Rock ’n‘ Roll zu verwenden, der eigentlich eine sexuelle Anspielung bedeutet. Wie der Begriff entstand, ist nicht eindeutig geklärt, möglicherweise wurde er von dem für die Geschichte der Rockmusik überaus wichtigen Diskjockey Alan Freed zuerst verwendet. Entsprechend schockiert von den neuen Klängen zeigte sich zunächst auch die amerikanische Öffentlichkeit. Auch die Manager vieler Plattenfirmen sträubten sich zunächst gegen die wilden Rock ’n‘ Roll-Künstler. Zu den wichtigsten Vertretern der neuen Musikrichtung gehörten Buddy Holly und Chuck Berry, Little Richard, Bill Haley, Jerry Lee Lewis und The Platters. Rock ’n‘ Roll ist als Tanzmusik bis heute sehr beliebt.

Joan Baez

Folk, Surf und Beat

Anfang der 1960er Jahre begann in Großbritannien mit dem Erfolg der Beatles eine Periode der Rockmusik, die mit Beat bezeichnet wird. Neben den Namesgebern wären The Who und andere zu nennen. In den USA gab es Anfang der 60er Jahre zahlreiche Bands, die Surf, einen bestimmten Sound von der amerikanischen Westküste, spielten. Die Abgrenzung zum Rock ’n’Roll derselben Periode ist nicht eindeutig; zu nennen wären die Texte, die vor allem um das Surfen kreisen. Zu den Vertretern des Surf zählten Gruppen wie The Tornados, The Pyramides und The Surftones. Die Beach Boys gehören zu einer späteren Generation der Surfbewegung. Folk Music nimmt zwar das Erbe des traditionellen Volksliedes auf, zeigt aber sehr heterogene Zielorientierung. In den USA war die Folkmusik schon seit Pete Seeger und Woody Guthrie explizit sozialkritisch orientiert. Auch die Anfang der 60er Jahre überaus populären Peter, Paul and Mary, Joan Baez und Bob Dylan gehören in diese linke Tradition der Folkbewegung. Seit Mitte der 60er Jahre nahm die Bedeutung der amerikanischen Folkmusik ab. Es gab noch Formationen wie Simon & Garfunkel, The Mamas and the Papas, Buffalo Springfield und Lovin‘ Spoonful. In Großbritannien waren viele Folkgruppen vom so genannten Skiffle geprägt, einer leichten Variante des Jazz. Später entwickelte sich eine Folkrockbewegung, die von Gruppen wie Jethro Tull, Yes und Genesis bestimmt war.

Psychedelic Rock

Dieser Begriff bezeichnet überwiegend den Musikstil von Musikgruppen der amerikanischen Westküste der späten 60er Jahre. Drogen spielten bei den Versuchen, eine Erweiterung des Bewusstseins zu erreichen, eine grosse, für viele Musiker verhängnisvolle Rolle. Zu den Vertretern dieser Richtung zählen The Seeds, 13th Floor Elevator, The Leaves, The Grateful Dead sowie Jefferson Airplane.

Jazzrock/Fusion

Diese Verbindung von Jazz und Rock begann etwa Mitte der 60er Jahre. Wirkliche Bedeutung erlangte das Genre, als sich der renommierte Jazztrompeter Miles David der auch Fusion genannten Stilrichtung zuwandte; seine Alben „Bitches Brew“ und „In a silent way“ markieren diese bedeutende, allerdings vorübergehende Periode seines musikalischen Schaffens. Auch andere Jazzmusiker stellten damals Crossover-Experimente an, so die österreichischen und deutschen Formationen Weather Report und Passport und Zahlreiche andere. Auch der ursprünglich vom Jazz kommende Gitarrist James Blood Ulmer, der eher ein Rockpublikum anzog, gehört in diesen Bereich. Mehr von der Rockmusik kommende amerikanische Jazzrock-Bands waren Blood, Sweat and Tears mit dem stimmgewaltigen Frontmann David Clayton Thomas sowie die Chicago Transit Authority.

Punk/New Wave

Punk ist eine Ende der 70er Jahre in Großbritannien entstandene Richtung der Rockmusik, die sich durch aggressive, zynische Texte und harte, hämmernde, bewusst unmelodiöse und bewusst primitive Musik auszeichnet. Punk war eine Bewegung, die aus der Artikulation der hoffnungslosen Situation jugendlicher Arbeitsloser in Großbritannien resultierte. Viele Punkmusiker hatten nie gelernt, ein Instrument zu spielen – und sie legten auch keinen Wert darauf. Die beiden wichtigsten englischen Punkbands waren The Sex Pistols und The Clash. Obwohl Punkmusik im engsten Sinn ein eher kurzlebiges Phänomen war, hatte sie bedeutende Auswirkungen auf die Rockmusik, weil Punk mit romantischen Vorstellungen und Formen der Musik aufräumte. Ausserdem führte dieser wirklich neue Musik- und Lebensstil dazu, dass kurze, prägnante Songs gegenüber prätentiösen Konzeptalben wieder an Bedeutung gewannen. Der Punk war allerdings auch Wegbereiter für einen anderen neuen musikalischen Stil, New Wave. Dessen Beginn wird durch das Erscheinen von Alben von Gruppen wie Magazine, Siouxsie and the Banshees, Wire, X-Ray-Spex und XTC markiert. Mit New Wave änderte sich das Gesicht der Rockmusik. Die Emotionalität der frühen Rockmusik wurde von einem an Manierismen reichen Stil abgelöst. In den 90er Jahren erlebte der Punkstil ein Revival, amerikanische Neopunk-Gruppen wie Greenday und Offspring wurden bekannt.

Reggae

Diese überaus rhythmische Musikrichtung kommt aus Jamaika und wurde von der schwarzen und mulattischen Bevölkerung des Landes entwickelt und um die ganze Welt getragen. Reggaemusik vereinigt Elemente traditioneller afrikanischer Musik, nimmt aber auch Calypso und Mento sowie Rhythm & Blues auf. Der Stil entstand bereits in den 50er Jahren. In den frühen 60er Jahren wurde der Reggae auch in Großbritannien aufgenommen, lief dort aber unter dem Namen Ska. In den späten 60er Jahren wurde das Dubverfahren, eine Überlagerungstechnik, im Reggae üblich. Die Texte drehten sich damals vorwiegend um sozialkritische und religiöse Themen. Viele Reggaemusiker waren Rastafarians, Anhänger einer Bewegung, die den verstorbenen äthiopischen Kaiser Haile Selassie als religiöses Oberhaupt verehrten. Bekannte Reggae-Künstler der 60er Jahre waren Desmond Dekker und Jimmy Cliff. In den 70er Jahren wurde die Gruppe The Wailers mit dem charismatischen, 1981 verstorbenen Frontmann Bob Marley international bekannt.

Grunge/Crossover

Sowohl inhaltlich als auch formal gehört die Stilrichtung Grunge, die besonders mit der amerikanischen Stadt Seattle in Verbindung gebracht wird, der sich vom hedonistischen Mainstream abgrenzenden Formen der Rockmusik an. Diese Musikform zeichnet sich vor allem durch teils kritische, teils resignative, illusionslose Texte aus. Die wohl berühmteste Band dieser Zeit waren die 1988 gegründeten Nirvana, deren Sänger Kurt Cobain sich 1994 in einem spektakulären Selbstmord in den Kopf schoss. Bei seinem Tod war Kurt Cobain 27 Jahre alt, genauso alt also, wie rund 25 Jahre zuvor Brian Jones von den Rolling Stones, Janis Joplin und Jimi Hendrix. Cobains Witwe Courtney Love und deren Band Hole profitierten nicht unerheblich von der Populärität nach dem Freitod von Kurt Cobain. Zur Hymne der Grunge-Bewegung wurde Nirvanas resignativer Song „Smells like teen spirit“ (vom Album „Nevermind“) mit der berühmten Leadzeile „I feel stupid and contagious, here we are, now entertain us!“, welche den Überdruss an der Konsumgesellschaft artikuliert.

2 Kommentare
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  1. In Sachen Pop, Beach Boys und 60er verweise ich auf:
    http://www.heytube.de/rocklexikon/poplexikon/

    Deep Purple passt zur Musik der 70er:
    http://www.heytube.de/musik-der-70er/

  2. Danke.
    Aber ich meinte eig. auch 1960 -& 1970er ; & nicht 1960 -& 1920er

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