Poplexikon

Stichwort

Die Bezeichnung Pop als Abkürzung für populäre Musik wird etwa seit dem Beginn der Rock ’n‘ Roll-Ära der 50er Jahre benutzt und kann als schwammig gefasster Oberbegriff für jede Art von Musik bezeichnet werden, die nicht in die traditionelle Kunstmusik, die E-Musik, einzuordnen ist und die eine breite Zuhörerschaft erreicht. Die Abgrenzung zum Rock, ebenfalls einem Sammelbegriff für populäre Musikstile, ist nicht eindeutig. Häufig werden die Begriffe synonym gebraucht oder miteinander kombiniert. Ebenso häufig wird der Begriff Popmusik für rein kommerzielle, auf möglichst breiten Erfolg ausgerichtete Produktionen verwendet, die in Kontrast zum „ehrlichen“ Rock stehen. Letzten Endes jedoch lässt sich dieser negative Beigeschmack inhaltlich nicht begründen. Am sinnvollsten scheint es, jede Form von populärer Musik unter den Begriff Pop zu subsummieren, was eine Bandbreite vom Schlager bis zur Opernarie möglich macht. Den teilweise synonymen Begriff Rockmusik definiert der deutsche Musikwissenschaftler Bernward Halbscheffel als diejenige populäre Musikform, die ihre Wurzeln im Rock ’n‘ Roll der 50er Jahre und im britischen Beat der 60er Jahre hat. Eine Verbindung des Begriffs zur Pop Art in der Kunst besteht inhaltlich nicht.

Zur Geschichte der Popmusik

Die Geschichte der populären Musik beginnt natürlich nicht erst im 20. Jahrhundert, denn volksnahe, nicht zur Kunstmusik zu rechnende Formen von Musik hat es schon immer gegeben. Und die Popmusik hat sich immer wieder gern aus diesem nahezu unerschöpflichen musikalischen Fundus bedient, sei es bei der Operette, beim Volkslied, bei nationalen Formen populärer Musik wie Irish Folk oder Hillbilly oder bei vielen anderen. Selbst „klassische“ Kompositionen konnten den Charakter von Gassenhauern annehmen, populär, Pop werden. Auch aus dem Jazz liessen sich bestimmte Elemente verwenden. Praktisch konnte jedes musikalische Genre, das sich ins Gefällige entwickelte, Popmusik werden. In diesem Sinne kann man auch Schlager zur Popmusik zählen. Und Schlager haben sich immer aus der in ihren jeweiligen Periode besonders geschätzten Musik bedient, so beim Volkslied, beim Chanson, beim Swing, bei den vielfältigen Formen der Country-Musik, beim Folk, beim Rock ’n‘ Roll, beim Blues und beim Rockabilly. Für die Entwicklung der modernen Popmusik waren einerseits die bis in die 50er Jahre so genannte Racemusik, also jede Form von schwarzer Musik, und andererseits weisser Blues und Rockabilly bedeutend.

Einige Spielformen moderner populärer Musik

The Jackson Five

Soul

Im Soul mischen sich verschiedene „schwarze“ Musikrichtungen wie Gospel und Rhythm & Blues. Vorläufer des Soul entstanden bereits Mitte der 50er Jahre mit den Aufnahmen von Sam Cooke und Solomon Burke. Wirkliche Breitenwirkung erreichte diese lange Jahre als ausschliesslich schwarz geltende Musikrichtung erst Mitte der 60er Jahre, als Soulkünstler wie Aretha Franklin, Ray Charles, Wilson Pickett, James Brown, Isaac Hayes, Percy Sledge sowie Sam and Dave bedeutende internationale Erfolge verzeichnen konnten. Viele frühe Soulaufnahmen erschienen auf dem Label Stax, das in Memphis angesiedelt war. Später übernahm die Firma Atlantic die Führung bei den Soulproduktionen. Auch die Detroiter Plattenfirma Motown, die überwiegend schwarze Künstler herausbrachte, war für die Entwicklung des Soul so wichtig, dass sogar eine eigene Stilart nach ihr benannt wurde (Motown Sound). Auf Motown starteten so berühmte Künstler wie Marvon Gaye, The Temptations, The Supremes und Diana Ross ihre internationalen Karrieren. Später vertrat das Label auch die The Jackson Five, die Kinder der berühmten Jacksonfamilie. Die Musik, die Michael und Janet Jackson später für ihre Solokarrieren wählten, hat allerdings nichts mehr mit dem Soulsound der frühen Jahre zu tun.

Teilweise wird Soulmusik auch als Funk bezeichnet, obwohl dies eher eine Bezeichnung für eine bestimmte Art zu spielen ist. James Brown wird als der „Godfather of Funk“ bezeichnet. Auch die Formation Sly & the Family Stone gilt als Funkband. In dieser Funk-Tradition stehen ausserdem Bands wie Earth, Wind and Fire und die Funkadelics. Funk hat auch auf einige Jazzmusiker grossen Einfluss gehabt, so auf den Gitarristen James Blood Ulmer, der seinen Stil mit dem Satz „Jazz is the teacher, funk is the preacher“ zu umschreiben pflegt. Auch die Musik von George Clinton oder von Künstlern wie Prince und Gruppen wie etwa Hot Chocolate zählen im weitesten Sinne zu den Funkmusikern. In den 80er Jahren wurde Soul von weissen Musikern wie Steve Winwood, Paul Weller, den Eurhythmics oder Simply Red aufgenommen und verfremdet. Soul ist ein bis in die 90er Jahre beliebter Musikstil. Selbst im Hiphop finden „soulige“ Gesangseinlagen Verwendung.

Techno

Bedeutende musikalische Strömung, die in den 80er Jahren an Gewicht gewann. Als Vorläufer der Technobewegung gilt die deutsche Gruppe Kraftwerk, die zu Beginn der 80er Jahre erfolgreich war. Charakteristisch für alle Spielarten der Technomusik ist die vorwiegende oder ausschliessliche Verwendung elektronischer Musikinstrumente und Computer. Unter den Begriff werden auch musikalische Genres wie Dancefloor, Electro, Tekkno (ein Style von Techno), Trance (melodiös und harmonisch orientierte Spielform des Techno), House (der in Chicago und New York entstand), Ambient (ein von Brian Eno geprägter Begriff für minimal elektronische Musik), Hardcore (Vorläufer von Drum & Bass), Garage (melodiöse Variante des House-Stils), Tribal (kurzzeitige House-Modeerscheinung 1994/95), TripHop (instrumentaler Hiphop), Gabber (eine extrem schnelle Variante von Techno mit über 200 Beats per minute) und Drum &Bass zusammengefasst.

Ein weiteres Charakteristikum all dieser teilweise sehr heterogenen Musikstile ist die Tatsache, dass die Musik nicht aus herkömmlichen Songstrukturen aufgebaut ist, sondern aus schlichten Bausteinen zusammengesetzt, den so genannten Tracks. Die Kunst des DJs, der in allen Formen der elektronischen Musik eine bedeutende Rolle spielt, besteht nun darin, diese Samples zu einer einzigartigen Einheit zu verschweissen. Einer der wichtigsten Begriffe in der Techno- und Dancemusik ist BPM oder Beats Per Minute (dt.: Schläge pro Minute); er bezeichnet die Geschwindigkeit der Musik. Auf die hohe Frequenz der Beats, die manchmal bei 140 BMP liegen, führen manche Kritiker auch den häufigen Drogenkonsum der so genannten Raver, der Anhänger und Tänzer elektronischer Musik, zurück. Bei vielen Veranstaltungen werden illegale synthetische Drogen konsumiert, die zu schweren Gesundheitsproblemen und in Extremfällen auch zum Tod führen können. In den 90er Jahren war der aus England kommende Drum & Bass-Stil besonders erfolgreich, der auf Samples, Bässen und so genannten Breakbeats, einem ungeraden Takt beziehungsweise einer Kombination aus geradem und ungeradem Takt, basiert. Acts wie The Prodigy, Shut Up And Dance sowie die Ragga Twins und der aus Bristol stammende Ronny Size machten den neuen Sound auch über die Grenzen Großbritanniens hinaus populär.

Hiphop

Gilt als eine der bedeutendsten Strömungen in der Geschichte der populären Musik des 20. Jahrhunderts. Erfunden wurde der Hiphop, der letzten Endes als Begriff für eine ganze Kultur zu verstehen ist, um 1980 vor allem in den schwarzen Gettos der amerikanischen Grossstädte. In der Hiphopkultur verbinden sich Rapmusik, Graffiti und Breakdance zu einer spezifischen Ausdrucksform zunächst überwiegend afroamerikanischer, später aber auch weisser amerikanischer und europäischer Jugendlicher. Charakteristisch für den Musikstil sind einerseits der Rap, ein rhythmischer Sprechgesang, der mit einer stark verschlüsselten Sprache (Slang) arbeitet und andererseits das so genannte Sampling, also das Zusammensetzen von vorgefertigten Lautpartikeln von Langspielplatten u.ä. zu einem meist wenig melodiösen tönenden Hintergrund. Bei Liveauftritten reguliert der DJ dabei das Abspieltempo von Schallplatten häufig mit der Hand, um verfremdende Effekte zu erzielen („Scratching“). Diese Technik hat sich inzwischen zur anerkannten Kunstform entwickelt; auf modernen Musikproduktionen werden DJs heute ganz selbstverständlich als Künstler genannt. In der Regel arbeiten Hiphop-DJs mit mindestens zwei Plattenspielern, um einander überlagernde Soundeffekte zu erzielen. Allerdings werden solche musikalischen Bruchstücke häufig zu fertigen Samples zusammengesetzt, was sie leicht wieder verwertbar macht.

Mitunter wird der Begriff Rap auch für den Musikstil selbst, synonym zu Hiphop, verwendet. Auf Hiphopplatten ist es üblich, andere Hiphopkünstler schlecht zu machen, zu dissen (von engl. disrespect). Diese Tradtion ist als Fortsetzung der so genannten Battles zu verstehen, von Wettkämpfen zwischen Hiphop-DJs und Breakdancern. Kritisch wurde von Anfang an die Neigung amerikanischer Hiphop-Künstler zu gewaltverherrlichenden Texten und realer Brutalität betrachtet, die seltsamerweise auch europäische Jugendliche ansprachen. Vor allem in den amerikanischen Medien wurde über handfeste Auseinandersetzungen zwischen rivalisierenden Gruppen von Rappern der Ostküste (New York) und der Westküste (Los Angeles) berichtet, die in zwei Fällen tödlich ausgingen. Der Ostküstenrapper „Notorious BIG“ und der Westküstenrapper „Tupac Shakur“ wurden kurz nacheinander ermordet; die genauen Todesumstände wurden nie geklärt. Im Lauf der Jahrzehnte hat sich Hiphop zu einer auch kommerziell ausserordentlich erfolgreichen Musikrichtung entwickelt.

Schlager

Obwohl der Begriff ursprünglich lediglich bedeutet, dass ein populäres Musikstück ausserordentlich erfolgreich ist, gilt der Schlager heute in Deutschland als eigene Gattung. Charakteristisch ist eine starke sentimentale Färbung von Musik und Text. Die Grenzen zu anderen Genres sind fliessend. Schlager passen sich häufig der jeweils vorherrschenden musikalischen Geschmacksrichtung an, popularisieren diese.

Musikfernsehen

Am 1. August 1981 nahm in New York der Musikfernsehkanal MTV den Sendebetrieb auf. Damit begann eine neue Ära in der Geschichte der Popmusik. Denn die Gründung von MTV markiert den Zeitpunkt, zu dem Videos für den Erfolg eines Musikstücks wichtiger wurden als musikalische Kriterien. Wird ein neuer Titel von den grossen Musiksendern, zu denen in Deutschland inzwischen auch Viva und Viva 2 zählten, blockiert, war eine hohe Platzierung in den Verkaufscharts so gut wie unmöglich. Heute ist es schon ein wenig anders. Es gibt ja „Hey Tube“.

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