EIN TROPFEN LAUDUNUM

Die vierköpfige Band Street Fruit verbindet Psychedelic und Alternative und veröffentlichte kürzlich das zweite Album „Strange Tanks“. Mit Hans Dobbratz (Gesang), Philipp Minnig (Gitarre/Gesang), Tiffanie Lanmon (Schlagzeug/Gesang) und Cyrus Gengras (Bass/Gesang) setzt die Band aus L.A.  ihre Tradition des Outsider-Rock mit außergewöhnlicher Energie und prägnanten Arrangements fort. Zehn Tracks vereinen Punk, Psychedelic, Garage und Weird-Pop – absurd, roh und unverkennbar.

Dieses Album vertieft die schräge Post-Punk-Ästhetik, die sie bereits auf ihrem Debütalbum erkundeten. Haptische Aufnahme verleiht Authentizität: Die analoge Bandaufnahme bringt Wärme und Unvollkommenheit ins Spiel – perfekt, um die wilde Persönlichkeit der Band einzufangen. DIY und doch professionell: Obwohl die Band Instrumentierung und Arrangements selbst übernimmt, profitiert das Album von sorgfältiger Produktion – eine gelungene Balance zwischen handgemachter Rauheit und professionellem Feinschliff.

Und jetzt? Ein Tropfen Laudunum, und die Welt zerfällt in zerbrochene Regenbögen, als wäre sie in ein tranceartiges Beugungsgitter gepresst. Jetzt betrachtet man Kinderwagen, die Bäume, die Türkis- und Fliedertöne und hört „Hey Operator“, der Song mit der surrealen Note. Da gibt ein treibender, an die Beatles erinnernder Drumbeat den Ton an. Dann (in der nächsten Phrase) beginnen eine sanfte Leadgitarre, ein präziser Bass und ein glockenartiger Klang im Einklang zu tanzen und schließlich durchbricht eine Stimme den Nebel. Die experimentellen Klänge der Beatles verschmelzen mit der bewusstseinserweiternden Kraft von Gotye, bis sich alles in einem synkopierten, balladenhaften, quasi-Bossa-artigen Groove einpendelt.

„Hey Operator, du hörst nur, was du mich hören lassen willst.“

Street Fruit - Hey Operator

0 Kommentare

Hinterlasse einen Kommentar

An der Diskussion beteiligen?
Hinterlasse uns deinen Kommentar!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Auch interessant

LUST AUF MEHR

/
T.R. Burge & The Temple aus Manchester haben mit ihrer Debütsingle"Eagle Fly" einen Song veröffentlicht, die sich durch eine gewisse Anmut in der Darbietung, eine üppige, fließende Ästhetik und Klanglandschaften sowie ein Gefühl spiritueller Vertiefung auszeichnet.

AUS DEM TOXISCHEN UMFELD

/
Der Sänger und Songwriter Drew Danburry aus Baltimore geht mit seiner Band Icarus Phoenix eigene Wege und lotet Grenzen aus. Doch sind die Melodien, die Arrangements, das großartige Artwork, die Offenheit, die Ehrlichkeit, die meist sehr langen und unvorhersehbaren Songtitel, die Widmungen und - vor allem - die Texte sind einfach hervorragend: Letztere sind nahbar, clever, bewegend, humorvoll und originell. Der Musiker ist halt ein Dichter für unsere Zeit und für jede Zeit.

DIE FREQUENZ EINES NERVENZUSAMMENBRUCHS

/
Das Londoner Quartett The Widows hat sich am Erbe von The Stooges und The Cramps geschult und mit ihrer Musik haben die rohen, zuckenden Nerven mit etwas Glamour freigelegt. Die Instrumentierung erschafft einen hektischen, klaustrophobischen Raum. Man wird von treibenden, verzerrten Basslinien getroffen, die sich wie der Beginn einer Migräne anfühlt und gegen scheppernde, verzerrte Gitarren ankämpft, die schneiden und kratzen wie Stahlwolle auf einem Sonnenbrand. Es ist zweifellos Garage Rock, doch die Band zieht es auch in Richtung dunkelsten Post-Punk.

EINE KLEINE WUNDERTÜTE

/
Der Sound des Quartetts Grandmas House aus Bristol – Yasmin Berndt (Gitarre, Gesang), Poppy Dodgson (Gesang, Schlagzeug), Zoë Zinsmeister (Bass, Gesang) und Polly Jessett (Gitarre) – verleiht ihrer Musik mehr Nuancenreichtum und Weite und setzt dabei verschiedenste Genres gekonnt ein. Vom kraftvollen, elastischen Rock der aktuellen Singles "DOG" und "Baby You’re A Winner", der über den synkopierten Post-Punk mit Bläsern in „Dance“ bis hin zur kammermusikalischen Folk-Atmosphäre des Abschlusstracks "Spring" ist das  Debütalbum "Baby You’re A Winner" das bisher authentischste und gelungenste Porträt von Grandmas House.

WUNDERTÜTE

/
Caroline Rose ist wie eine Wundertüte der Genres. Sie ist eine wahre Meisterin darin, sich immer wieder neu zu erfinden und frisch zu bleiben, erweitert so ihre musikalischen Grenzen und vereint Vintage-Pop, Rockabilly und Roots-Rock-Einflüsse auf vielfältige Weise.

DIE ZÄHNE BLITZEN

/
Auf ihrem Album "Eyes Full" präsentiert sich Zoh Amba mit Gitarre statt Saxofon im Gepäck und mit ihrer Vorliebe für Ungewöhnliches im Rock-Genre, denn sie verwebt die Singer-Songwriter-Formel zu einem energiegeladenen, gefühlvollen Ganzen. "Eyes Full"pulsiert vor Energie und Leidenschaft, Zoh Amba fungiert dabei als Sprachrohr für rohe Emotionen. Auf dem Album ist die Musikerin Teil eines Trios mit Jim White (Schlagzeug) und Kevin Hyland (Gitarre).

IN HÖCHSTFORM

/
Nach dem Erfolg der vorherigen Singles "Star" und "Ember" präsentiert sich die dänische Band Iceage aus Kopenhagen mit "The Weak" in Höchstform – angetrieben von nervösen Gitarren, unbändiger Energie und einem Gefühl kaum gebändigten Chaos, das den Sound von Iceage seit Langem prägt. Der Song drängt mit Dringlichkeit nach vorn, bevor er in befreienden Momenten gipfelt und die unberechenbare Intensität einfängt, die die Band in den letzten zwei Jahrzehnten zu einer so fesselnden Größe gemacht hat.

DIE KRAFT DER NATUR

/
Die Band Stornoway aus Oxford, die sich als Schnittstelle zwischen Musik und Naturschutz etabliert hat, setzt ihre Mission mit einem Album voller Hoffnung fort, das aus Isolation und Entdeckungslust entstanden ist. "Beyonder" nutzt die Kraft der Natur, um uns wieder mit ihr zu verbinden und die Menschen durch Musik der Natur näherzubringen.

DRAUFLOSJAMMEN

/
"Kaleidosmoke" gibt einen ersten Einblick in das neue Terrain der amerikanischen Band BCMC aus Chicago . Mit einer Spielzeit von fast acht Minuten besticht dieser Song durch britisch-rockige Gitarrenklänge und eine Struktur, die an die geduldige, aufbauende Logik von Terry Riley erinnert. Einflüsse von Pink Floyd, Witthüser & Westrupp, Popul Vuh, Deep Purple und Iron Butterfly durchziehen bluesige Soli, bevor das Stück in einer langsamen, glasklaren Slide-Gitarrenpassage mündet. Es ist weitläufig und gemächlich, psychedelisch im ursprünglichsten und intensivsten Sinne des Wortes.
510 mal gelesen
Bewerte diesen Beitrag!
[Gesamtl: 0 Durchschnitt: 0]
;