VON TRADITION ZU TUMULT

Musikalische Grundlage des Quinetts The Pine Hill Haints aus Alabama ist Country und Bluegrass, den es bei viel Humor und menschlicher Wärme in eine genialische Bastardmusik zwischen Bo Diddley, John Lee Hooker und Johnny Cash verwandelt, an der wohl auch Buddy Holly seinen Spaß hätte.

SPIELWIESE

Den ersten Langzeittest hat „Paint Me A Dream“, die aktuelle 7-Inch-Single der britischen Band The Chemistry Set, bereits bestanden. Die Platte ist im Februar erschienen und zeigt immer noch keine Abnutzungserscheinungen. Auch nach der x-ten Wiederholung klingt ihr genialer Mix aus britischem Acid-Pop und psychedelischen Sixties-Folk-Soundtracks so mitreißend wie beim ersten Mal.

EINE MAGIE, DIE SICH WIE EINE RUNZELIGE, MOOSBEDECKTE BIRKENWURZEL ENTFALTET

Deutlich geerdet in der psychedelischen Folklore, besonders im Folk der 1960er und 1970er Jahre, klingt die Musik des deutsch-italienischen Duos Wildwood Morning mit Wohnsitz in Berlin und sie klingt wie ein Echo einer Gitarre aus einer anderen Zeit – eher nach Melancholie und Trübsal, als nach jubelnder Lebensfreude. Dennoch ist der Band ein eindrucksvolles Debütalbum gelungen.

WO DIE WELT NOCH IN ORDNUNG IST

Chris Spino mit den Coma Girls singt eindringlich von den kleinen Dingen, die das Leben so groß und wertvoll machen und macht so etwas wie Folk-Pop-Country : immer sehr romantisch, immer ein wenig nach einem Ausflug aufs Land, wo die Welt noch in Ordnung ist und man die Seele baumeln lassen kann.

KEIN BLATT VOR DEN MUND

Musikalische Grundlage des New Yorker Jim White ist Alternative Country, den er bei viel Humor und menschlicher Wärme in eine genialische Bastardmusik zwischen Tom Waits und Beck verwandelt. White nimmt kein Blatt vor den Mund, tritt aber weder dem Hörer noch seinen Figuren je zu nah.

KNOCHENTROCKENE SONGS WEHEN WIE TUMBLEWEEDS ÜBER DIE SAHARA

Wenn Mdou Moctar in die Saiten haut, erscheinen unwillkürlich staubige karge Wüstenlandschaften vor dem inneren Auge. Rumpelige Gitarrenriffs wehen durch knochentrockene Songs wie Tumbleweeds über die Sahara. So liefert der Nigerianer plus Band mit Tuareg-Blues, traditioneller afrikanischer Musik und Desert-Rock grobkörnigen Sand ins Getriebe der gut geölten Musikindustrie und zwar sehr mitreißend.